Die Wirkung von Predictive Targeting aus Entscheider-Sicht

Mittwoch, Juli 22, 2009
By Christian Elsner

Targeting ist angewandte Wissenschaft. Man kann ganze Bücherregale füllen mit Wissen über Targeting, unterschiedliche Ansätze, Technologien, Strategien, Statistiken, Algorithmen, Key Performance Indikatoren, Prozesse, Best Practices, Zielgruppen, Klickraten, Conversion, Streuverlust, Case Studies und und und …

Das Problem ist nur, dass Entscheider sich für diese ganzen operativen Details überhaupt nicht interessieren. Sie wollen einfach nur wissen, wie viel Geld sie damit verdienen können. Um ihnen das zu zeigen braucht man folgendes:

1. Ein möglichst einfaches Modell des eigenen Geschäfts, das nur die wichtigsten Einflussgrößen berücksichtigt
2. Ein paar Annahmen, wie sich die Targeting-Lösung auf diese Einflussgrößen auswirkt
3. Eine Nutzenkalkulation in Abhängigkeit der erforderlichen Investition (Return on Investment)

Und so sieht das für Predictive Targeting aus:

1. Geschäftsmodell

Es gibt drei wesentliche Parameter für die Monetarisierung einer Website bzw. eines Portfolios mit Werbung:
- Verfügbare Kapazität (in Ad-Impressions pro Monat)
- Durchschnittliche Auslastung (in % der Kapazität)
- Durchschnittlicher realisierter TKP (netto-netto!, in €)

Für eine differenzierte Betrachtung ist es sinnvoll, das gesamte Inventar in drei Segmente einzuteilen:
- Top-Inventar (hohe TKP, z.B. die Homepage)
- Arbeits-Inventar (mittlere TKP, z.B. Channels)
- Rest-Inventar (niedrige TKP, z.B. unqualifizierter Content)

Mit diesen 3×3 Werten kann jede Website bzw. jedes Portfolio entweder als Kurve beschrieben werden, wobei die Fläche unter der Kurve dem Umsatz entspricht, …

Monetarisierungskurve

… oder in einer Excel-Tabelle (fiktive Zahlen):

Monetarisierungstabelle

2. Wirkung von Predictive Targeting

Predictive Targeting hat viele verschiedene positive Einflüsse auf die Monetarisierung. Die meisten von ihnen lassen sich aber unter zwei Hauptwirkungen zusammenfassen:

I. Verlängerung der Reichweite, z.B. in Form von …
- gesteigerter Auslastung
- verlängerten Channels
- einem gut verkauften Restinventar
- etc.

II. Steigerung des TKP, und zwar nicht als Targeting-Zuschlag, sondern z.B. in Form von …
- veredelten Channels
- neuen hochpreisigen Produkten
- höheren Budget-Anteilen
- gesteigerten effektiven TKP
- etc.

Im Diagramm führt die Verlängerung der Reichweite zu einer Verschiebung der Kurve nach rechts, die TKP-Steigerung zu einer Verschiebung nach oben:

Targeting-Vektor

Der resultierende Pfeil ist das, was nugg.ad den Targeting Vektor nennt. Er sagt alles über Predictive Targeting in einer einzigen Kennzahl aus. Ein wahrer Key Performance Indikator! Die Fläche zwischen den beiden Kurven schließlich ist die Umsatzsteigerung, d.h. das Geld, das man mit Predictive Targeting verdienen kann.

3. Return on Investment

Nun muss die Wirkung noch quantifiziert werden. Basierend auf den individuellen Business-Zielen, Benchmarks, Erfahrungswerten und einer Analyse der eigenen Stärken und Schwächen wird eine Annahme für die Veränderung jedes einzelnen Parameters getroffen (exemplarische Zahlen):

Umsatzsteigerung

Das Ergebnis ist eine vernünftige Nutzenkalkulation zu vertretbarem Aufwand.

Diesen Nutzen den Kosten einer Predictive Targeting-Lösung gegenüber gestellt, erhält man den Return on Investment. Auf Basis dieser Zahl kann dann eine fundierte Entscheidung getroffen werden, ob Predictive Targeting für das eigene Geschäft Sinn macht oder nicht.

Ohne die Nutzenkalkulation wäre man noch nicht einmal in der Lage zu beurteilen, ob eine angebotene Lösung preiswert oder zu teuer ist. Man wäre allein auf sein Bauchgefühl angewiesen – keine gute Grundlage für geschäftliche Entscheidungen.

Ich möchte jeden Vermarkter/Publisher ermuntern, sich sein Geschäft mal aus dieser Perspektive anzusehen. Bisher war es für jeden, der es getan hat, äußerst aufschlussreich.

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6 Responses to “Die Wirkung von Predictive Targeting aus Entscheider-Sicht”

  1. Chris

    Hallo,

    entschuldigen Sie meine unwissende Frage:

    Wieso wird in diesem Modell davon ausgegangen, dass mein “Rest-Inventar” die höchste Reichweite erzielt, mein Top-Inventar, hingegen die niedrigste RW?

    Danke für die Antwort,

    #25
  2. @Chris
    Hallo Chris,

    die genannten Zahlen spiegeln eine typische Verteilung wider, wie wir sie in der Praxis antreffen. Natürlich können die Zahlen für einzelne Unternehmen anders aussehen.

    Erfahrungsgemäß können Vermarkter hohe TKPs aber nur auf einem kleinen Teil ihres Inventars realisieren. Und alle Unter-unter-Seiten (niedrige TKPs) zusammen vereinen halt deutlich mehr PageImpressions, und damit auch AdImpressions, auf sich als die Homepage(s).

    Ist das bei Euch anders?

    Gruß,
    Christian

    #37
  3. Chris

    Hallo Christian,

    ehrlich gesagt bin ich “nur” Student und interessiere mich für die Thematik.

    Stimmt es also, dass Seiten mit hohem TKP auch sehr zielgruppenspezifisch ausgerichtet sind, während dann Seiten mit geringerem TKP, breitere ZG ansprechen und deswegen einen tieferen TKP haben?

    Die Thematik bezieht sich also auf Vermarkter-Sicht und nicht auf eine einzelne Website, oder?
    Bei Betrachtung einer einzelnen Website wäre doch z.B. die Startseite mit hohem TKP und hohen Klickraten richtig, oder?

    Vielen Dank für die Antworten!
    Chris

    #39
  4. [...] genutzt) finden sich so oder so ähnlich bei bei jedem Vermarkter wieder (vgl. Die Wirkung von Predictive Targeting aus Entscheider-Sicht). Die roten Flächen zeigen, wie verschiedene PBT-basierte Produkte im Portfolio positioniert und [...]

    #61
  5. Kathrin

    Hallo,
    ich schreibe gerade meine Bachelorarbeit zu dem Thema und hätte eine Frage:

    Wie hoch ist die durchschnittliche Auslastung in den einzelnen Inventar- Segmenten? sind die Zahlen in dem präsentierten Beispiel mehr oder weniger repräsentativ?

    Gibt es denn eine Benchmark für die durchschnittliche Veränderung der Auslastung durch PBT?

    Grüße Kathrin

    #1016
  6. Hallo Kathrin,

    ja, die genannten Auslastungen in den verschiedenen Segmenten sind branchenübliche Durchschnittswerte.

    Was die Benchmark betrifft, macht eine isolierte Betrachtung der Auslastung nur bedingt Sinn. Es gibt Vermarkter, die PBT stärker nutzen um den TKP und weniger die Auslastung zu steigern und umgekehrt. Und der Gesamteffekt wiederum hängt wesentlich davon ab, mit welcher Ernsthaftigkeit der Vermarkter PBT-basierte Produkte verkauft (vgl. http://www.predictive-behavioral-targeting.de/2009/09/die-5-groessten-predictive-targeting-irrtuemer-nr-3/ ).

    Aber vielleicht hilft es Dir zu wissen, dass auch die Steigerungen in der zweiten Tabelle nicht willkürlich gewählt sind ;-)

    Gruß,
    Christian

    #1017

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